Journal

Fachbeiträge.
Kein Bullshit.

Ich möchte mit meiner Erfahrung punkten — als Spieler, als Trainer und als Führungskraft. Sieben Beiträge über Ausbildung, Entwicklung, Mentoring und Entscheidungen, die Karrieren prägen.

  1. 01NHL Draft und mehr …
  2. 02CHL oder NCAA?
  3. 03Wie können wir die Trainer-Ausbildung optimieren?
  4. 04Wann ist es Zeit?
  5. 05Vertrauen in heimische Kräfte
  6. 06Quo vadis ÖEHV-Nationalteams?
  7. 07Findet Entwicklung statt?
NHL Entry Draft in der Arena

· Karriere · Gregor Baumgartner

NHL Draft und mehr …

Die NHL ist wohl die beste Liga der Welt und jeder will dort hin, aber wie kommt man dort hin?

Es ist definitiv eine große Sache, wenn wir als kleine Eishockeynation Spieler in die NHL bringen. Klar für Österreich ist, dass dies nicht in Massen geschehen kann, aber berücksichtigt man Infrastruktur und Anzahl der Spieler ist unser Output gar nicht so aus der Norm. Wie viele Spieler aus der gesamten Welt den Durchbruch schaffen, liegt im Promillebereich (laut Eigenrecherche bei 0,04%). Also sehr wenige.

Marco Rossi vor dem großen Coup

Nach einigen Jahren an Durstrecken könnte es heuer aber tatsächlich wieder einmal soweit sein. Nämlich ein durchaus erfolgreicher und spannender Draft zugleich. Mit Marco Rossi könnten wir sogar einen Top 5 Pick dabei haben. Übersetzt bedeutet das, dass eines der 31 Teams (32 mit Seattle ab 2021/22) Marco Rossi aus ihrer Sicht als den talentiertesten verfügbaren Spieler in dieser Klasse ansehen. Wobei jede Runde 31 Teams einen Spieler wählen und es dann in Runde zwei im selben Format weitergeht. (7 Runden/Durchgänge gibt es)

Zusätzliche Kandidaten aus Österreich? Klar heuer sogar mehrere. Zum einem Thimo Nikl und zum anderen noch Senna Peeters, der erst heuer eingebürgert wurde, allerdings schon einige Jahre in Österreich gespielt hat. Diese zwei könnten sich im Bereich der zweiten oder dritten Runde bewegen. Benni Baumgartner und Leon Wallner dürfen sich auch noch Hoffnungen machen. Ich kenne alle diese Spieler und habe sie auch persönlich schon gecoacht. Ich wünsche ihnen auf jeden Fall alles Gute für den Draft.

Wie ist der Draft einzuordnen?

Was bedeutet es, gedraftet zu werden? Es bedeutet für dich als Spieler, dass ein Team dein Potential sieht, dich in der NHL spielen zu sehen. Als zweites bedeutet dies, dass du eine Chance bekommst, dich mit den direkten Konkurrenten um diese Plätze in einem der Camps zu matchen. Dies könnte bei einem Rookie Camp sein oder überhaupt gleich beim Hauptcamp, bei dem alle Stars dabei sind. Alle gedrafteten oder unter Vertrag genommenen Spieler sind dort, um um die freien Plätze zu kämpfen.

In diesen Camps darf man sich mit guten Leistungen für Vorbereitungsspiele auf NHL-Niveau empfehlen oder sich einen Entry Level Vertrag erspielen.

Nach dem Draft hält ein Team dann die Rechte an einem Spieler für die Dauer von 2 Jahren (sofern der Klub nicht freiwillig auf die RECHTE verzichtet). Sollte es danach zu keinem Vertragsabschluss kommen – ist der Spieler wieder frei.

Persönliche Erfahrungen

Ich war genau so ein Fall. Ich konnte mich mit den Montreal Canadians, die mich 1997 in der zweiten Runde (37.Stelle ) gedraftet haben nicht einigen und ging dann 1999 nochmals beim Draft an den Start. Mit Glück bekam ich noch eine zweite Chance von Dallas, die mich in Runde 5 pickten.

Im Hauptcamp im darauffolgenden September durfte ich in der Vorbereitung spielen und bekam dann meinen lang ersehnten und erhofften NHL-Vertrag. Insgesamt war ich 3 Jahre bei den Dallas Stars unter Vertrag, wo ich dann im Farmteam spielte. In Summe war ich an 7 NHL Hauptcamps (2x Montreal, 3x Dallas, 1x Detroit, 1x Edmonton). Nach dem AHL All Star Game 2002 hatte ich nochmals Hoffnung auf die große Karriere in der NHL, die aber niemals gelang.

Möchtest du in die NHL?

Jetzt widme ich aber genau der Jugend bei denen diese Träume noch ausständig sind und ich möchte ihnen mein Wissen mit meinem Unternehmen Get Better weitergeben und hoffentlich wird einer dieser Schützlinge seinen großen Traum erreichen. Entwicklung steht bei mir an oberster Stelle und genau an den Punkten, wo es vielleicht auch bei mir gefehlt hat, möchte ich helfen.

Jeder Spieler und Mensch hat eine andere Entwicklungskurve und diese gilt es zu respektieren, aber auch bestmöglich zu nutzen. Individuelle sportliche aber auch die Persönlichkeitsentwicklung sollten im Vordergrund stehen. Talente gehören weiter ausgebaut und gefördert sowie auch gefordert. Ab dem Alter von 15 Jahren zählt es so richtig. Also, worauf wartest du? Entscheide dich und gib Gas! 🙂

College-Eishockey in den USA

· Ausbildung · Gregor Baumgartner

CHL oder NCAA?

Es dauert nicht all zu lange bis junge Spieler diese Abkürzungen kennen. Spätestens im Alter von 14 beginnen Spieler und Eltern über mögliche Karriereschritte nachzudenken.

Red Bull geht mit positivem Beispiel voran

Natürlich gibt es etliche Möglichkeiten, sich mehr oder weniger aufs Eishockey zu konzentrieren. Ein gutes Beispiel ist sicher die Red Bull Akademie (AKA) in Salzburg, die für Österreich sowohl als auch international einen unglaublichen Standard geschaffen hat. Mögliche andere Stützpunkte in Österreich, die einer Akademie ähneln, sind die Vienna Capitals, die Eishockey Akademie Steiermark, die Ausbildung des KAC und die Okanagan Hockey Academy.

Aber was tun, wenn man andere Ziele hat? Im Alter von etwa 17 Jahren scheinen doch Einige, neue zusätzliche Wege gehen zu wollen. Was nun? Entscheidet man sich für Europa oder doch Nordamerika? Es gibt wiederum auch in Nordamerika einige Optionen.

Europa oder Nordamerika?

Einerseits die CHL, welche eine Profi-Juniorenliga ist, die bis zu 100 Spiele pro Saison beinhalten kann. Dieser Weg könnte auch mit 100% Eishockey beschrieben werden. Die Spieler erhalten schon etwas Taschengeld und zahlen auch keine sonstigen Beiträge. Für die Schule bleibt nicht viel Zeit übrig, weil man hier eigentlich schon Profi ist. Um als Europäer in diese Liga zu kommen, musst du im CHL Import Draft gezogen werden. Die zweite Option in Kanada könnte die Junior A Liga sein in dieser bleibt auch der Zugang zu den NCAA Colleges erhalten. Das Level der Liga ist sicher auch ganz ok, kann aber nicht mit der CHL oder NCAA DIV 1 mithalten.

Der amerikanische Weg führt über die Zuläufer NAHL, USHL und die verschiedenen PREP Schools zu den Colleges. Meiner Meinung nach, ist dies der zu empfehlende Weg. Das Optimum wäre ein Vollzeitstipendium, bei welchem alles bezahlt wird. Ich hatte mir 1996 ein solches erspielt. Ich wurde zum jüngsten DIV 1 College Spieler aller Zeiten, wurde aber danach sehr ungeduldig und gab dieses Stipendium wieder auf und retournierte in die CHL. Das Ausmaß meiner Entscheidung war mir damals gar nicht bewusst. Ein Stipendium im Wert von 100.000 Dollar und ein Abschluss plus die Chance auf eine Karriere kann nicht übertroffen werden.

Nicht ungeduldig werden

Für die Entwicklung als Mensch und Spieler ist das College einfach der beste Weg und mittlerweile genießt diese Liga einen sehr hohen Stellenwert. Immer mehr Spieler schaffen den Sprung direkt in die NHL, sicher auch weil das Durchschnittsalter der Rookies in der NHL bei knapp 24 Jahren liegt. Hier gibt es einen riesen Vorteil, weil in der College Liga die meisten Athleten zwischen 18 und 24 Jahren alt sind und somit schon körperlich auf sehr hohem Niveau agieren. Die limitierte Spielanzahl in der College Liga gewährt viel Zeit für die Spieler zur individuellen Entwicklung als Athlet, Spieler und zusätzlich als Student. Somit kann eine ganzheitliche Ausbildung gewährleistet werden.

Letztlich würde ich sagen, sofern du als Spieler nicht in Europa bleiben möchtest, gibt es nur diesen Weg zu empfehlen. Als Ziel sollte gesetzt sein, sich ein Stipendium zu erkämpfen. Hierbei bleiben alle Türen auf weitere Karrieren offen.

Gerne bin ich bereit, euch auf eurem Weg zu begleiten.

Coach mit Trainingsgruppe im Camp

· Trainer · Gregor Baumgartner

Wie können wir die Trainer-Ausbildung optimieren?

Das Thema Ausbildung ist natürlich ein ganz besonderes für mich, da ich in den letzten beiden Jahren sehr viel Energie und Zeit in diesen Bereich investiert habe.

Meine Grundeinstellung ist, jedes Jahr verschiedene neue Ausbildungen oder zumindest Fortbildungen zu besuchen. Grund dafür ist, dass ich viel zu oft Lizenzinhaber treffe, die vor langer Zeit Ausbildungen absolviert haben, aber leider nicht mehr am Stand der Zeit sind. Ich besitze verschiedene Lizenzen in Österreich sowie Kanada und ich habe zusätzlich einige Ausbildungen absolviert, jedoch wurde mir fast überall eingetrichtert, dass dies nur der Start sei und dass man ständig dranbleiben muss. Einfach erklärt: Der Sport, die Menschen und alles drum herum entwickeln sich weiter, somit darf niemand in seiner Branche stehenbleiben, um vorne dabei zu sein. Als Trainer hast du den Anspruch immer wieder am neuesten Stand zu sein, um deinen Schützlingen die bestmögliche Chance zu geben, sich bestmöglich zu entwickeln.

Was gefällt mir in manchen Ländern bei ihrer Fortbildung gut? In Nordamerika zum Beispiel müssen Coaches jedes Jahr vor Saisonbeginn Module absolvieren, die für ihre Altersgruppe passend sind. Dies hilft den Trainern, sich nicht nur fortzubilden, sondern auch ideal auf die Saison einzustellen. Bei uns habe ich oft das Gefühl, dass viele Coaches die Fortbildungsveranstaltungen als Belastung sehen. Ein abschreckendes Beispiel ist für mich, wenn Coaches bei einer Coaches Clinic teilnehmen und dieses ein Nationalteamspiel inkludiert, allerdings nicht einmal die Hälfte der Teilnehmer sich das Spiel ansieht. Wie in den vorhergegangen Blogs stellt sich hier die Frage: Ist genug Leidenschaft für den Sport vorhanden? Oder wie groß ist das Interesse wirklich, unseren Sport nach vorne zu bringen?

Der zweite wesentliche Punkt ist der gemeinsame Austausch, der in Österreich leider nur in limitierter Form stattfindet. Es gibt zu wenige Coaches, die die Zeit haben, sich zu treffen, aber es werden auch zu wenige Möglichkeiten von Seiten der Verantwortlichen geschaffen. Dieser persönliche Austausch kann in kurzer Zeit oft mehr Fortschritte bringen als einige absolvierte Module.

Was können wir optimieren?

Wir haben in Österreich ein gutes duales Ausbildungsmodel mit der BSPA, die super Arbeit leistet und zum anderen den eishockeyspezifischen Teil. In meinen beiden Jahren als ÖEHV-Nachwuchscoach war es das Ziel, mehr Qualität hinein zu bringen. Dieses basierte auf einem zusätzlichen Grundkurs und der D-Lizenz. Hier hätte man den nicht so gefestigten Eisläufern verschiedene Module anbieten können, wo sie dem Eishockey am Besten helfen hätten können. Wir brauchen nicht nur Trainer in diesem System, sondern auch Teammanager oder Equipment Manager, die ebenfalls sehr wichtig sind.

Leider ist es mir nicht gelungen dieses Modul-System selber umzusetzen und wie es den Anschein hat, verlässt man dieses ausgearbeitete Konzept leider auch schon wieder.

Was sollte das Ziel sein?

Weniger Trainer auszubilden, dafür viel mehr auf die Qualität achten. Durch den Grundkurs hätten wir auch noch eine breitere Basis haben können, die sich wiederum in Helfern bei den Vereinen umgemünzt hätte.

In weiterer Folge sollten dann die ausgebildeten Trainer ständig am Laufenden gehalten werden und somit auf internationalem Standard sein. So genannte Trainings-Kontrollen könnten darüber entscheiden, ob Trainer ihre Lizenzen behalten oder eine zusätzliche Fortbildung besuchen müssen.

Was ist konkret zu tun?

Junger Eishockeyspieler auf dem Eis

· Nachwuchs · Gregor Baumgartner

Wann ist es Zeit?

Die Frage, wann könnte es Zeit werden für mein Kind, sich voll und ganz für das Eishockey zu entscheiden, kommt bei mir immer öfter an. Diese klar zu beantworten, wird sicher keinem Eishockeykenner leicht fallen. Warum? Erstens ist jedes Kind anders und hat eine andere Entwicklungskurve als Mensch sowie auch als Sportler. Zweitens hat nicht jeder Jugendliche die Reife, sehr früh sein elterliches Umfeld zu verlassen. Desweiteren gilt es auch seine schulische oder berufliche Laufbahn nicht komplett zu vernachlässigen. Egal ob im In- oder Ausland.

Bleiben wir aber beim Sportlichen. Zuerst gehört analysiert, wo mein Kind in der Entwicklung steht und welches Umfeld sich zur bestmöglichen Entwicklung eignet. Grundsätzlich sollte gesagt werden, dass nicht zwangsläufig das Umfeld die Schuld oder Lob für die Entwicklung bekommen sollte, weil erstrangig jedes Kind sich nur dann zu einem Top-Sportler entwickeln kann, wenn die intrinsische Motivation stimmt.

Leider glauben auch viele Eltern, dass drei Trainingseinheiten pro Woche bei einem Klub ausreichen, um Top-Spieler zu produzieren. Um genau das geht‘s. Egal wie gut oder schlecht trainiert wird reicht dieser Umfang maximal für einen Hobbysportler aus und das bringt uns wieder retour zur intrinsischen Motivation. Jeder Jugendliche, der in seiner Sportart zur Spitze möchte, muss einfach mehr Zeit investieren. Da es sehr oft an allgemeiner Athletik scheitert, gibt es hier schon unzählige Möglichkeiten, sich in diesen Bereichen zu verbessern ohne, dass Eltern hier jede Menge Geld für sportartspezifisches Training ausgeben müssen. Sehr oft können simple Hilfsmittel, wie ein Sprungseil, eine Matte, Balance-Kissen oder ein Ball schon sehr viel bewegen.

Im Eishockey dürfen wir natürlich nicht vergessen, dass es schon sehr wichtig ist, spezifisches Training zu machen. Dies kann einerseits bei Camps oder Individualtrainings gemacht werden oder man nützt sogar das Publikumslaufen, um seine Eislauftechnik zu optimieren. Für Stocktechnik oder Schusstechnik könnte ein Schläger mit verschiedenen Bällen auf Asphalt dienen. Natürlich gibt es auch Schussplatten-Tore oder sogar Kunsteis, wenn man Platz und Geld hat für Investments hat.

Zurück zur Ausgangsfrage: Wann ist es Zeit für den großen Schritt? Die Zeit ist dann gekommen, wenn ich spüre „in der Entwicklung passiert nichts mehr“. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es vor dem 15. Geburtstag keinen Sinn macht. Erstens der Schule zuliebe und weil ich denke, dass genau im Alter zwischen 14-16 Jahren, die Jugendlichen erst spüren wo es hin geht im Eishockey. Der Schulstress legt zu, es wird mehr trainiert (teilweise Frühtrainings) und natürlich dürfen wir auch die Pubertät nicht vergessen.

Die meisten Eltern können ihre Kinder selber am besten einschätzen und sollten diese Entscheidung gemeinsam mit ihren Youngsters bereden. Oftmals stellt man sich die Frage wohin überhaupt? Diese ist sehr berechtigt und sollte ganz genau analysiert werden. Schule und Wohnsituation zum Einen, aber auch zu welchem Klub oder in welches Land? Bei jeder dieser Entscheidungen sollte berücksichtigt werden, wie der Plan B aussehen könnte, wenn es nicht zur großen Karriere kommt. Meine Eltern hatten mir stets gesagt: „Ohne Schule geht es wieder ab nach Hause.“ Diese Ansage war deutlich. Auch für den 14-jährigen Gregor Baumgartner.

Was nun?

Wie auch immer, lasst euch durch unüberlegte Schritte oder aus Frust, nicht zu schnellen Entscheidungen hinreißen. Gerne bin ich bereit, hier persönlich auszuhelfen, um Ihnen bei der Entscheidung zu helfen.

Trainerbesprechung auf dem Eis

· Mentoring · Gregor Baumgartner

Vertrauen in heimische Kräfte

Wir haben in den letzten Blogs viel über den Ist-Stand und die Ausbildung gesprochen. Sagen wir mal so: Es gibt sicherlich viel ungenütztes Potential.

Eine Frage, die ich mir aber schon seit einiger Zeit stelle, ist warum wir in Österreich nur selten einheimischen Kräften vertrauen. Was den Anteil für die Spieler betrifft, haben wir auch schon besprochen. Aber warum ist dies auch bei den Nachwuchs-Coaches der Fall? Die häufigsten Antworten, die ich bekomme, lauten entweder „zu teuer“ oder „nicht ausreichend ausgebildet“.

Diese Aussagen wiederum bestätigen, dass nicht genug in den Nachwuchs und die Ausbildung der Trainer investiert wird. Trotz dieses Widerstandes behaupte ich, dass wir ausreichend gute Trainer oder Eishockeyexperten in unserem Land haben, die viele Rollen und Aufgaben übernehmen könnten.

Auch diverse Trainerjobs auf höherem Niveau wären ihnen zuzutrauen. Ähnlich wie bei Spielern, benötigen auch diese eine Chance und vor allem Vertrauen von der oberen Etage. Zumeist glauben diese Führungskräfte, obwohl ebenfalls österreichischer Abstammung, nicht an diese Fähigkeiten unserer Trainer. Ich frage mich schon des Öfteren, wie wir es geschafft haben, trotz allen möglichen Ups und Downs bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften zu spielen, wenn wir so ahnungslos sind. Da sollte eine Menge an Wissen und Erfahrung da sein.

Mentoring? Leider nicht so wie es vom ÖEHV gemacht wurde, obwohl dieser Ansatz schon ein sehr guter wäre. Für mich bedeutet Mentoring hauptsächlich, dass das Wissen von einer älteren Generation an die neue weitergegeben wird. Ein regelmäßiger Austausch von Ex-Spielern, Trainern und Funktionären steht schon seit Jahren auf meiner Wunschliste.

Leider wurden meine ersten Bemühungen seitens des Verbandes blockiert und seither hat sich noch keiner diesem Thema gewidmet. Daran ändert auch nichts, dass es regional schon ganz gute Ansätze gibt.

Was wäre möglich?

Nummer 1 auf meiner Weiterentwicklungs-Prioritätenliste wären eben genau solche Meetings – und zwar regelmäßig. Diese sollten flächendeckend in den jeweiligen Altersgruppen 1-2 mal jährlich und vor allem verpflichtend stattfinden. Der Schlüssel für mich ist, dass auch im Trainerbereich mehr Möglichkeiten für die Entwicklung geschaffen werden. Coaches Clinics dürfen keine reinen Frontalvorträge sein, sondern sie sollten auch Inhaltlich mit praktischen Themen gefüllt werden. Teilnehmende Trainer sollten schon in den folgenden Tagen die Möglichkeit haben, neu Erlerntes in einem Training umzusetzen. Selbiges gilt auch für Trainerausbildung. Diese sollten nicht zu stark in den Sommer verlagert werden.

Umsetzung

Startschuss können diese Meetings sein, aber in Summe sollte es Voraussetzung sein, einheimischen Coaches im Nachwuchs und auch in den AHL-Teams realistische, verantwortungsvolle Möglichkeiten zu bieten. Erst dann ist eine qualitativ hochwertige Installation in der EBEL sinnvoll.

Sinnvoll wäre auch, dass jeder Klub einen Sportdirektor hat, der gemeinsam mit den Verantwortlichen die Identität des Klubs vorgibt und nach diesen Kriterien gearbeitet wird. Der Sportdirektor verpflichtet dann, getreu der Identität des Klubs, Trainer und Spieler. In den letzten Jahren war des leider eher umgekehrt und der Klub passte sich der neuen Identität an.

Langfristig denke ich, würde sich infolge dessen eine klare Kultur und Identität der einzelnen Klubs herauskristallisieren.

Zweikampf im Eishockeyspiel

· Verband · Gregor Baumgartner

Quo vadis ÖEHV-Nationalteams?

In diesem Blog widme ich mich den Nationalteams. Wo stehen wir aktuell? Wo waren wir? Und wo geht es hin?

Wir brauchen nicht lange in der Vergangenheit suchen, denn das Bild gleicht sich und der Name Fahrstuhlnation kommt ist kein Zufall. Das A-Team bewegt sich grundsätzlich immer am selben Fleck. A-Gruppe/B-Gruppe. Inklusive seltener Ausnahmen.

Tiefe, wir brauchen Tiefe

Letztlich auch nicht entscheidend, weil wir sollten IMMER 20 österreichische Spieler haben, die auf gutem, internationalem Niveau agieren können. Nicht zu vergessen, dass wir auch einige Spieler haben, die im Ausland in guten Ligen unterwegs sind. Grundsätzlich ist nur auf der Torhüterposition eine Lücke entstanden, ansonsten ist der Kader zwar dünn, aber vorhanden.

Um konkurrenzfähiger zu sein, brauchen wir jedoch mehr Tiefe. Wie bekommen wir mehr Tiefe im Kader? Ganz einfach: Mit qualitativ guter Nachwuchsarbeit. Im Moment nehmen dies nur wenige Klubs ernst. Die überschaubaren Einsatzzeiten junger Akteure belegen diese Aussage. Auch die Investitionen in Nachwuchstrainer und ähnliche zukunftsträchtige Strukturen werden hinten angereiht.

Status quo

Das U20-Nationalteam kämpft jährlich um den Verbleib in der Div. I (B-Gruppe) und die U18 ist in der C- Gruppe seit Jahren festgefahren.

Ich sehe dies lediglich als Signal, dass wir noch nicht begonnen haben, ausreichend in den Nachwuchs zu investieren. Es werden zwar gute Turniere gegen attraktive Gegner gespielt, aber wirkliche Fortschritte erkenne ich nicht. Vor allem physisch sind wir weit von diesem Level entfernt.

Worauf kommt es nun an?

Die Zusammenarbeit zwischen Verband und Klubs MUSS endlich zielgerichteter vonstatten gehen. Gemeinsame Ideen und Zielsetzungen könnten helfen. Zusätzlich könnten Off-Ice-Zielsetzungen vom Verband auf internationale Standards vorgegeben werden. Wenn dann der Nachwuchs besser ausgebildet wird, sollte die Liga die Legionärszahl schrittweise reduzieren.

Den Vereinen vorzuschreiben, mehr in den Nachwuchs zu stecken, wird auch nur dann klappen, wenn der ÖEHV selber dazu bereit ist, dies zu tun und zu zeigen. Leider scheint es, als würde es auch hier wieder zum Stillstand kommen. Die Präsentation nach außen ist immer die eine Sache, aber was intern letztendlich geschieht, sieht man leider erst ein paar Jahre später und ich befürchte, dass wir diese Zeit nicht haben sofern wir Höheres erreichen wollen.

EBEL-Recap-Grafik

· Entwicklung · Gregor Baumgartner

Findet Entwicklung statt?

Was bedeutet Entwicklung? Entwicklung wird von Vielen unterschiedlich definiert. Für mich bedeutet Entwicklung, ein ständiges Besserwerden und somit ein Vorantreiben des Gesamten.

Zusätzlich sollte es in jeder Branche bedeuten, dass man den Ist-Stand kennt und danach anhand dieser Resultate neu plant, mit neuen Zielen, um auf ein höheres Niveau zu kommen.

Blickpunkt Eishockey

Das würde für mich bedeuten, dass alle involvierten Parteien wissen, wo die Reise hingehen soll. Nach der sogenannten Evaluierung und der Ausarbeitung eines neuen Plans werden zuerst einmal alle Beteiligten, die noch nicht in der Entwicklung des neuen Zielvorhabens involviert waren, informiert. Im Idealfall gab es aber zuvor schon wichtige Gespräche zwischen den Vereinen, Verbänden, Sponsoren, Eltern etc.

Werfen wir einen Blick auf die Saison 2018/19. Salzburg spielt eine hervorragende Saison in der Champions Hockey League und in Österreich glaubt man, dass das heimische Eishockey in der europäischen Elite angekommen ist. Aber geht damit wirklich eine nachhaltige Entwicklung des österreichischen Eishockeys einher?

Meiner Meinung nach nicht. Es ist sehr gute Werbung für das Eishockey, aber auch nicht mehr. Ganz einfach zu vergleichen ist es, wenn wir einen Blick auf das Nationalteam werfen, das letztlich gegen Italien aus der A Gruppe absteigen musste. Also was ist nun richtig?

Entwicklung der EBEL beispielhaft

Die EBEL als Ligakonstrukt hat eine fabelhafte Entwicklung hinter sich. Vor einigen Jahren war ein Trainer auf der Bank, der gerade einmal seine vier Blöcke hatte. Die Hallen waren moderat gefüllt. Das Medieninteresse war überschaubar. Mittlerweile kann man jedoch fast alle Spiele in irgendeiner Form live verfolgen. Servus TV, SKY Sport Austria oder aber auch im Portal der Liga (nur für internen Gebrauch). Es gibt Co-Trainer, Videocoaches, Off Ice Coaches, Physiotherapeuten, Zeugwarte und Goalie-Trainer. Es gibt Social Media Betreuer und auch Personal für das Marketing. Dies alles trifft natürlich nicht auf alle Vereine zu, jedoch auf jeden Fall auf die Top-Klubs. Also dürfen wir diesem Sektor definitiv eine Entwicklung zusprechen, was die jährlichen Zuschauerzahlen bestätigen (zuletzt über 1 Million Zuseher pro Saison).

Tatsächlich alles eitel Wonne?

Was hat sich aber am Spielersektor getan? 2003 kam man mit fünf Legionären und eventuell noch 1-2 Austrokanadier aus. 2018/19 waren einige Teams mit bis zu 14 Gastarbeitern pro Spiel im Einsatz. Hier rechnen wir noch gar keine Transaktionen ein. Was zeigt uns das? Vor allem, dass es weniger Spielzeit für unser eNachwuchs-Cracks gibt. Besonders eklatant trifft dies die Goalies.

Somit ist die Entwicklung der Liga nicht automatisch für die Entwicklung österreichischer Spieler gut. Große Kritik gibt es Jahr für Jahr spätestens bei der WM, wo seitens der Journalisten über die Rollen in den Teams gesprochen wird. Zu wenig wichtige Eiszeit im Power Play, Goalies die zu wenige Spiele haben und so weiter.

Diese Sätze höre ich seit vielen Jahren. Was ist passiert oder wer hat hier gegengesteuert? Einige Teams versuchen es so gut es geht im Nachwuchs. KAC und Salzburg, um zwei Beispiele zu nennen, haben es mit hauptamtlichen Nachwuchstrainern und weniger Legionären versucht. Kleine Schritte, die schon ok sind. Letztlich sind wir aber ein kleines Eishockeyland, welches meiner Meinung nach nur mit flächendeckender qualitativer Nachwuchsarbeit eine Chance hätte.

Was ist zu tun?

Ausbildungen und Fortbildungen für Trainer müssen verbessert werden. Strengere Qualitätskontrollen bei Trainings und Lizenzen, die durch Qualitätsstandards jährlich kontrolliert werden – ohne Ausnahmen. Das alles braucht natürlich auch einen Masterplan, der auf unsere Bedürfnisse abgestimmt ist und auch den budgetären Möglichkeiten entspricht.

Das Thema Qualitätskontrolle sehe ich aber als den größten Hebel wie auch die Zusammenarbeit der gesamten österreichischen Eishockey Community.

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